Hessischer Sauerbraten mit Apfelweinbeize

Hessisches Schmorgericht

Zarter Rinderschmorbraten, der 48 bis 72 Stunden in einer säuerlich-fruchtigen Beize aus Apfelwein, Apfelessig und Wurzelgemüse ruht. Dazu gibt es eine dunkle, sämige Sauce, Apfelrotkohl und Kartoffelklöße.

Zum Rezept
Hessischer Sauerbraten mit Apfelweinbeize
Vorbereitung 60 Minuten
Kochen / Backen 3 Std. 30 Min.
Zusätzliche Ruhe- / Kühlzeit 72 Stunden
Gesamtzeit ca. 76 Std. 30 Min.
Menge 4 Portionen
Gerichtsform und Gerichtsart Braten und Schmorbraten
Prägende Zutatenfamilie Fleisch, Gemüse, Kräuter und Gewürze, Obst, Wurzeln und Knollen
Prägende Zubereitungsverfahren Braten in wenig Fett, Einlegen in Salzlake oder Säure, Kochen in Flüssigkeit, Sanftes Köcheln, Schmoren
Würzanwendung Marinieren
Servierrolle Als Hauptgericht vorgesehen

Die Gesamtzeit ist ein Richtwert. Vorbereitungs-, Koch- und Ruhezeiten können sich überschneiden.

Darum gelingt es

Was dieses Rezept zuverlässig macht

  • Die lange Beizzeit würzt das Fleisch tief und bringt eine ausgewogene Säure ein.
  • Anbraten und Schmoren verbinden kräftige Röstaromen mit einer zarten, saftigen Textur.
  • Soßenkuchen bindet den Schmorsud und ergänzt die säuerlich-würzige Beize um eine dunkle, aromatische Note.
  • Apfelrotkohl und Kartoffelklöße gleichen die kräftige Sauce mit Fruchtigkeit und milder Stärke aus.

Eine hessische Sauerbraten-Variante verbindet kräftige Rinderschulter mit der herben Fruchtigkeit von Apfelwein und der klaren Säure von Apfelessig. Nach zwei bis drei Tagen in der Beize wird das Fleisch langsam geschmort und anschließend mit einer gebundenen Sauce, Apfelrotkohl und Kartoffelklößen serviert.

Der Braten ist weich und saftig, die Sauce dunkel, würzig und leicht säuerlich. Apfelwein und Apfelessig sorgen für eine herbe Fruchtnote, während Apfelrotkohl und Kartoffelklöße süßlich-fruchtige beziehungsweise mild-erdige Akzente ergänzen.

Schritt für Schritt

Zubereitung

Beize und Marinieren

  1. Beize zubereiten

    Zwiebeln, Möhren und Sellerie grob würfeln. Apfelwein, Apfelessig, Gemüse, Lorbeer, Wacholderbeeren, Pfefferkörner, Nelken, Zucker und Salz in einem Topf aufkochen. Die Beize anschließend vollständig abkühlen lassen.

    Daran erkennst du es: Die Beize muss vor dem Kontakt mit dem rohen Fleisch vollständig kalt sein.

    • Die Beize nicht heiß über das Fleisch gießen, damit die Kühlkette des Fleisches nicht unterbrochen wird.

    Wichtig: Die Beize vor der weiteren Verwendung vollständig abkühlen lassen.

  2. Fleisch einlegen

    Das Fleisch in eine verschließbare Schüssel legen, mit der kalten Beize übergießen und abgedeckt 48 bis 72 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Das Fleisch dabei einmal täglich wenden.

    Daran erkennst du es: Das Fleisch bleibt während der gesamten Beizzeit vollständig von der Beize bedeckt und wird kalt gehalten.

    • Eine längere Beizzeit innerhalb des angegebenen Bereichs intensiviert die Säurewirkung.

    Wichtig: Das rohe Fleisch abgedeckt und durchgehend gekühlt aufbewahren.

  3. Fleisch anbraten

    Das Fleisch aus der Beize nehmen und gründlich trocken tupfen. Die Beize durch ein Sieb gießen; Flüssigkeit und Gemüse getrennt auffangen. Das Fleisch mit Salz und Pfeffer würzen und im Butterschmalz rundum kräftig anbraten.

    10 Minuten

    Daran erkennst du es: Das Fleisch ist rundum deutlich gebräunt, ohne dass die Gewürze verbrennen.

    • Das Fleisch portionsweise oder mit ausreichend Abstand anbraten, damit es bräunt statt zu kochen.

    Wichtig: Nach dem Kontakt mit rohem Fleisch Hände, Brett und Tücher gründlich reinigen.

Schmoren und Beilagen

  1. Sauerbraten schmoren

    Das aufgefangene Beizgemüse zum Fleisch geben und einige Minuten mitbraten. Tomatenmark einrühren und kurz rösten. Mit der aufgefangenen Beize und der Rinderbrühe ablöschen. Den Bräter schließen und den Sauerbraten im vorgeheizten Backofen bei 160 °C Ober- und Unterhitze etwa 2½ bis 3 Stunden schmoren. Währenddessen den Apfelrotkohl und später die Kartoffelklöße zubereiten.

    3 Stunden 160 °C

    Daran erkennst du es: Das Fleisch lässt sich leicht mit einer Gabel einstechen und ist weich.

    • Die Sauce soll das Fleisch teilweise umgeben, aber nicht vollständig bedecken.
    • Die Beilagen während der Schmorzeit vorbereiten, damit die Gesamtzeit kürzer bleibt.

    Wichtig: Den Bräter vorsichtig öffnen, da heißer Dampf austreten kann.

  2. Apfelrotkohl zubereiten

    Während der Braten schmort, die äußeren Blätter und den Strunk vom Rotkohl entfernen. Den Kohl fein schneiden, Äpfel und Zwiebel würfeln. Butter oder Schmalz erhitzen, Zwiebel und Zucker darin leicht karamellisieren. Rotkohl und Äpfel hinzufügen, mit Apfelessig und Wasser angießen, Nelken zugeben und zugedeckt 45 bis 60 Minuten weich schmoren. Mit Salz abschmecken.

    60 Minuten

    Daran erkennst du es: Der Rotkohl ist weich, aber nicht vollständig zerfallen, und schmeckt ausgewogen säuerlich-süß.

    • Bei Bedarf während des Schmorens einen kleinen Schluck Wasser ergänzen.
  3. Kartoffelteig herstellen

    700 g Kartoffeln schälen, in Wasser weich kochen und noch heiß durch die Kartoffelpresse drücken. Die übrigen 300 g Kartoffeln fein reiben und in einem sauberen Tuch kräftig ausdrücken. Beide Kartoffelmassen mit Ei, Kartoffelstärke, Salz und Muskat zu einem formbaren Teig verkneten.

    30 Minuten

    Daran erkennst du es: Der Teig ist formbar und klebt nur wenig an den Händen.

    • Die gekochten Kartoffeln noch heiß pressen, damit keine groben Stücke im Teig bleiben.
    • Die rohe Kartoffelmasse möglichst trocken ausdrücken.

    Wichtig: Beim Abgießen und Pressen der heißen Kartoffeln vorsichtig arbeiten.

  4. Kartoffelklöße gar ziehen lassen

    Aus dem Kartoffelteig acht Klöße formen. In einem großen Topf Wasser aufkochen, die Hitze reduzieren und die Klöße hineingeben. Sie sollen etwa 20 Minuten im nur leicht siedenden Wasser gar ziehen und sind fertig, wenn sie an die Oberfläche steigen.

    20 Minuten

    Daran erkennst du es: Die Klöße steigen an die Oberfläche und fühlen sich stabil an.

    • Das Wasser nach dem Einlegen nicht sprudelnd kochen lassen, sonst können die Klöße zerfallen.

    Wichtig: Die Klöße vorsichtig in das heiße Wasser geben.

Sauce und Servieren

  1. Sauce binden

    Den fertigen Braten aus dem Bräter nehmen und abgedeckt warm halten. Lorbeerblätter und Nelken aus dem Sud entfernen. Gemüse und Sauce fein pürieren, den Soßenkuchen hineinbröseln und die Sauce unter Rühren etwa 10 Minuten leicht einkochen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

    10 Minuten

    Daran erkennst du es: Die Sauce ist sämig und haftet leicht am Löffel.

    • Die Sauce nach dem Pürieren bei Bedarf durch ein Sieb streichen, wenn sie besonders glatt werden soll.

    Wichtig: Beim Pürieren heißer Flüssigkeit Spritzschutz verwenden und den Pürierstab vollständig eintauchen.

  2. Anrichten

    Den Sauerbraten in Scheiben schneiden und mit der Sauce, dem Apfelrotkohl und den Kartoffelklößen servieren.

    Daran erkennst du es: Das Fleisch ist quer zur Faser in saubere, zarte Scheiben geschnitten.

    • Den Braten kurz ruhen lassen, bevor er geschnitten wird, damit die Scheiben stabil bleiben.

Gut zu wissen

Hinweise zum Rezept

  • Beize vollständig abkühlen lassen: Die aufgekochte Beize muss vollständig abgekühlt sein, bevor sie über das rohe Fleisch gegossen wird.
  • Beilagen parallel zubereiten: Apfelrotkohl und Kartoffelklöße können während der langen Schmorzeit des Sauerbratens vorbereitet werden.
  • Klöße nur leicht sieden lassen: Stark sprudelndes Wasser kann die Kartoffelklöße beschädigen. Sie sollen sanft gar ziehen.
  • Ganze Gewürze entfernen: Lorbeerblätter und Nelken vor dem Pürieren aus dem Schmorsud nehmen.

Zutatenwissen

Apfelwein auswählen

Ein trockener oder herber Apfelwein hält die Beize ausgewogen. Für eine alkoholfreie Variante kann naturtrüber Apfelsaft verwendet werden; die Beize wird dadurch milder und süßer.

Soßenkuchen dosieren

Soßenkuchen wird zum Binden in die pürierte Sauce gebröselt. Er bringt zusätzlich Würze und eine dunkle Farbe ein.

Zwei Kartoffelanteile

Die gekochten Kartoffeln geben den Klößen Bindung und Geschmeidigkeit, die rohe ausgedrückte Kartoffelmasse sorgt für eine festere Struktur.

Butter oder Schmalz

Butter ergibt eine milde, rundere Note; Schmalz passt kräftiger zum Sauerbraten.

Sinnvolle Alternativen

Naturtrüber Apfelsaft

Die Beize wird milder und süßer und verliert die herbe Note des Apfelweins.

Apfelsaft im gleichen Volumen verwenden und die Sauce am Ende besonders sorgfältig abschmecken.

Mehl und Rübenkraut

Die Sauce wird weniger würzig und etwas süßer als mit Soßenkuchen.

Mehl und Rübenkraut zunächst glatt verrühren, in die pürierte Sauce geben und gründlich einkochen lassen.

Butter oder Schmalz jeweils alternativ

Butter schmeckt milder, Schmalz kräftiger und herzhafter.

Das gewählte Fett in gleicher Menge verwenden.

Typische Fehler und ihre Lösung

Das Fleisch wird mit heißer Beize übergossen.

Die Beize vor dem Einlegen komplett auskühlen lassen.

Wenn das Fleisch nur kurz mit warmer Flüssigkeit in Kontakt war, sofort in eine kalte, saubere Schüssel umsetzen und vollständig kühlen.

Das Fleisch bräunt kaum und gibt viel Flüssigkeit ab.

Das Fleisch sorgfältig trocken tupfen und rundum kräftig anbraten.

Das Fleisch herausnehmen, Flüssigkeit abgießen und den Bräter erneut erhitzen, bevor das Fleisch weiter angebraten wird.

Der Sauerbraten ist nach der angegebenen Zeit noch fest.

Den Braten zugedeckt weiter schmoren lassen und die Weichheit mit einer Gabel prüfen.

Mit etwas Flüssigkeit weiter schmoren, bis das Fleisch leicht einzustechen ist.

Die Kartoffelklöße zerfallen im Wasser.

Die rohe Kartoffelmasse kräftig ausdrücken und die Klöße nur leicht sieden lassen.

Aus dem restlichen Teig einen Probekloß formen und bei Bedarf etwas Kartoffelstärke ergänzen.

Die Sauce bleibt zu flüssig.

Die Sauce nach dem Pürieren ohne Deckel leicht einkochen lassen und den Soßenkuchen vollständig einarbeiten.

Weitere kleine Mengen Soßenkuchen einarbeiten und die Sauce erneut kurz einkochen.

Varianten

Alkoholfreier Sauerbraten

Apfelwein wird durch naturtrüben Apfelsaft ersetzt. Die Beize schmeckt milder und süßer, bleibt aber fruchtig-säuerlich.

Milder abgeschmeckt

Für eine mildere Variante wird die Säure am Ende zurückhaltend ausbalanciert und die Sauce etwas stärker mit Brühe verlängert.

Kräftiger Rotkohl mit Schmalz

Schmalz statt Butter macht den Apfelrotkohl herzhafter und passt besonders gut zu einer kräftigen Sauce.

Servieren und kombinieren

  • Klassisch anrichten: Bratenscheiben mit reichlich Sauce, Apfelrotkohl und zwei Kartoffelklößen auf vorgewärmten Tellern servieren.
  • Sauce separat reichen: Einen Teil der Sauce auf dem Teller verteilen und den Rest in einer Sauciere reichen, damit nachgeschöpft werden kann.
  • Passende Getränkebegleitung: Ein trockener Apfelwein greift die Fruchtnote der Beize auf und ergänzt den kräftigen Braten.

Planen und Reste genießen

Vorbereiten

Der fertige Sauerbraten kann bis zu einem Tag im Voraus zubereitet werden. Braten und Sauce getrennt oder gemeinsam abgedeckt kühlen und beim Aufwärmen langsam erhitzen. Apfelrotkohl lässt sich ebenfalls gut vorbereiten; die Kartoffelklöße möglichst frisch garen.

Aufbewahren

Braten, Sauce und Beilagen nach dem Abkühlen getrennt oder gut abgedeckt im Kühlschrank aufbewahren.

Reste nicht längere Zeit bei Raumtemperatur stehen lassen und vor dem Verzehr gründlich durcherhitzen.

Aufwärmen

  • Topf oder Bräter: Braten und Sauce zugedeckt bei niedriger bis mittlerer Hitze langsam erwärmen. Bei Bedarf etwas Brühe oder Wasser ergänzen und gelegentlich wenden beziehungsweise umrühren.
  • Backofen: Braten mit Sauce in einem abgedeckten ofenfesten Gefäß langsam erwärmen.

Allergene und Nährwerte

  • Ei: enthält · Das Kartoffelteigrezept enthält ein Ei.
  • Milch: may_contain · Bei Verwendung von Butter enthält das Gericht Milch; bei Schmalz nicht.
  • Gluten: uncertain · Prüfe die Zutatenliste des Soßenkuchens auf glutenhaltiges Getreide.

Lebensmittelsicherheit

  • Kühlkette bei rohem Fleisch: Das Fleisch während der gesamten Beizzeit abgedeckt im Kühlschrank aufbewahren und die kalte Beize verwenden.
  • Küchenhygiene: Nach dem Umgang mit dem rohen Fleisch Hände, Schneidebrett, Messer und andere Kontaktflächen gründlich reinigen.
  • Umgang mit heißen Flüssigkeiten: Beim Öffnen des Bräters und beim Pürieren des heißen Schmorsuds vorsichtig arbeiten, da Dampf und Spritzer zu Verbrühungen führen können.

Häufig gefragt

Fragen zum Rezept

Wie lange sollte der Sauerbraten in der Beize liegen?

Die angegebene Beizzeit beträgt 48 bis 72 Stunden im Kühlschrank. Das Fleisch sollte dabei einmal täglich gewendet werden.

Kann ich den Apfelwein ersetzen?

Für eine alkoholfreie Variante kann naturtrüber Apfelsaft verwendet werden. Die Beize wird dadurch milder und süßer.

Was kann ich statt Soßenkuchen verwenden?

Als Ersatz funktionieren 1 EL Mehl und 1 EL Rübenkraut. Die Sauce wird dann weniger würzig und etwas süßer.

Woran erkenne ich, dass die Kartoffelklöße fertig sind?

Die Klöße sollen etwa 20 Minuten nur leicht sieden und steigen an die Oberfläche, wenn sie gar sind.

Aus unserer Küche

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